PSYCHE psyche, psychein(griech.)= (Lebens)Hauch, hauchen, atmen, leben THERAPIE therapeia, therapon(gr.)= Gefährte, dienen, ANALYSE analyein= zergliedern, auflösen
PSYCHE psyche, psychein(griech.)= (Lebens)Hauch, hauchen, atmen, leben THERAPIE therapeia, therapon(gr.)= Gefährte, dienen,                                                                                   ANALYSE analyein= zergliedern, auflösen

Psychoanalyse      Psychotherapie Arzt                      Praxis

 

Psychoanalyse hat mit Kunst und Philosophie mehr Berührungspunkte als mit der Medizin, auch wenn PsychoanalytikerInnen in ihrrem Erstberuf häufig Ärzte oder Ärztinnen sind.

In der psychoanalytischen Praxis hat das Sprechen zentrale Bedeutung. Hier "geht nichts anderes vor als ein Austausch von Worten....Worte waren ursprünglich Zauber, und das Wort hat heute noch viel von seiner Zauberkraft bewahrt. .... Worte rufen Affekte hervor und sind das allgemeine Mittel der Beeinflussung der Menschen untereinander. Wir werden also die Verwendung der Worte in der Psy- chotherapie nicht geringschätzen und werden zufrieden sein, wenn wir Zuhörer der Worte sein können, die zwischen dem Analytiker und seinem Patienten gewechselt werden." (S.Freud 1917).

 

Im ärztlichen Gespräch wird heutzutage oft gefragt "Was haben Sie?" (und nicht wie früher "Was fehlt Ihnen?"), als ob Symptome Reichtum sei. Für Arzt und Ärztin sind sie aber die  'Fakten', um über Befund und Behandlung zu entscheiden.

 

Was im Gegensatz hierzu in der Psychoanalyse zum Tragen kommt, veranschaulicht auf amüsante Art ein französischer Spielfilm*:
Eine Frau geht zielstrebig auf ein Haus zu. Sie trifft auf die mürrische Hausmeisterin. Zum Psychiater? Da müsse sie in den 6.Stock hinauf. Mit dem Aufzug dort angekommen, wendet sie sich nach rechts und klopft an der nächsten Tür. Eine ältere Frau öffnet ihr und  führt sie ins Büro. Sie muss warten, hört Gesprächsfetzen aus dem Nebenzimmer, überfliegt eine Zeitschrift mit dem Titel 'Analyse'. Dies bestärkt sie im Glauben, an der richtigen Adresse zu sein. Ein sympathisch wirkender Mann betritt den Raum und stellt ihr einige Fragen. Sie fühlt sich durch sein Nachfragen angeregt. Und erzählt. Als  ZuschauerInnen bekommen wir den Eindruck, dass sie sich angenommen und in ihren Nöten verstan- den fühlt. Während am Blick des Mannes Neu- gierde, aber auch zunehmende Irritation wahr- nehmbar wird.  Sie vereinbaren einen nächsten Termin. Später, vielleicht nach der dritten Begeg- nung, bemerkt die Besucherin durch einen zufälli- gen Anruf in der Praxis des 'richtigen' Psychiaters, der zugleich Psychoanalytiker ist, dass sie sich in der Tür geirrt hatte. Sie war nicht bei diesem, son- dern knapp daneben,  auf der anderen Seite des Gangs, bei einem Steuerberater gelandet. Auch diese Berufsgruppe muss einfühlsam und diskret mit ihrem Klientel und deren Problemen umgehen. Angesichts dieser Täuschung reagiert sie anfangs verärgert, sie fühlt sich hintergangen und betrogen.

 

Nun aber die überraschende Wendung:  In dieser für sie delikaten Situation der Selbst-Offenbarung hatte dieser ‘Falsche’, der Steuerberater, richtig reagiert: aufmerksam zugehört und sie dazu gebracht, immer mehr zu erzählen und aus ihrer Erinnerung hervorzuholen.

 

*'Intime Fremde' (Frankreich, 'Confidances trop intimes', 2004) von  Patrice Leconte mit u.a. San- drine Bonnaire und Fabrice Luchini

 

 

http://www.werkblatt.at/koerbitz/index.htm

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